Niedenstein

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Niedenstein – Die Stadtgeschichte der Siedlung im Chattengau

Vor über 2000 Jahren besiedelte der germanische Stamm der Chatten das nördliche Hessen.

Die Anfänge

Die Chatten sind Namensgeber der Region „Chattengau“, zu der auch die Stadt Niedenstein gehört. Dank der Ausgrabungen auf der Altenburg in der Niedensteiner Gemarkung können wir mit großer Sicherheit sagen, dass die Besiedlung des Plateaus von ca. 2000 v.Chr. bis ca. 50 v.Chr. andauerte.


Die Entstehung der Stadt

Niedenstein mit Altenburg und Falkenstein

Über die Ereignisse zwischen dieser Zeit und der ersten urkundlichen Erwähnung der Burg Neydenstein in 1254 ist nicht viel bekannt. Von einer kontinuierlichen Besiedlung der Region ist aber auszugehen, da einzelne Lesefunde auf die Zeit vor der Ersterwähnung der Stadt hindeuten. Fakt ist aber, dass kurz nach dieser ersten Nennung der Burg auch die Stadt Neydenstein in 1259 durch Konrad von Elben in alten Urkunden bekannt wird. Forscher gehen nun davon aus, dass sich der Begriff „Neydenstein“ im Laufe der Jahre zu „Niedenstein“ wurde. Dabei sei „Neydenstein“ von „Neid“ abzuleiten und dem Konkurrenzkampf des Erzbischofs von Mainz und des Landgrafen von Thüringen in Hessen geschuldet, was auch der Grund ist, dass Niedenstein als strategische Maßnahme planmäßig ausgestattet mit Wappen und Stadtrechten errichtet wurde und sich nicht wie in den meisten Fällen nach und nach entwickelte. Im Vergleich zu den fünf heutigen Stadtteilen, ist der Ortsteil Niedenstein damit recht spät dran: Die ersten urkundlichen Erwähnungen Metzes, Wichdorf und Kirchberg sind auf die Jahre 817, 957 und 1017 datiert. Nur Ermetheis erscheint mit dem Jahre 1344 noch etwas später auf der Bildfläche unserer Region. Neben der Obernburg und der Felsburg reihen sich Niedensteins Berge in die als Verteidigungslinie genutzte Bergkette dieser Zeit ein und prägen neben dem Falkenstein den Burgen- und Rittercharakter des Chattengau.

Hessen-Kassel im Zeichen der Kriege

Einen besonders drastischen Einschnitt brachte der 30-jährige Krieg (1618-1648). In erster Linie waren es das zweite und das letzte Drittel des Krieges, die durch Plünderungen, Brandschatzungen, Seuchen und der Stürmung des kaiserlichen Generals Tilly für eine fast gänzliche Vernichtung Niedensteins und eine Reduzierung der Einwohnerzahl aller Gemeinden auf nur noch ca. 6% sorgten. Doch auch in Übersee waren Niedensteiner Soldaten aktiv: Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) kämpften Bauernsöhne und Soldaten aus Hessen-Kassel unter Landgraf Wilhelm VIII. auf Britischer Seite gegen die amerikanischen Siedler und Franzosen; aus Niedenstein gehörten wohl 12 junge Männer zu diesen hessischen Hilfstruppen. Für die Daheimgebliebenen in Niedenstein, Kirchberg und Metze bedeutete das ein ständiges Hin-und-Her von Feindlichen und alliierten Truppen in ihren Dörfern und Häusern – am Ende des Krieges waren fast alle Felder ruiniert und die Einwohner zusätzlich durch Einquartierungen und Verpflegungen von Soldaten finanziell stark getroffen.


Das 19. Jahrhundert und der American Dream

Das 19. Jahrhundert hingegen wurde besonders von Auswanderungen geprägt. Sowohl aus politischen wie auch aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen emigrierten etwa 7 Millionen Deutsche nach Übersee, vor allem dem Nordamerikanischen Kontinent – so auch im Chattengau. Aus Niedenstein verließen, je nach Ortsteil, zwischen 15 und 30 % der Menschen ihre Heimat, um die Bevölkerungsexplosion, die Missernten und die damit verbundene Zukunftsangst durch die Abenteuerlust und den erhofften neuen Reichtum durch das verlockende Amerika zu ersetzen. (Ermetheis wird im Zuge der Provinzeinteilungen bereits in 1821 Teil der Stadt Niedenstein.) Nachdem Kurhessen in 1866 nach dem „Gesetz zur Einverleibung in Preußen“ als preußische Provinz Hessen-Nassau annektiert wird, muss auch Niedenstein Männer für den „Deutsch-Französischen-Krieg“ von 1870 bis 1871 in den Kampf schicken.


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Der gesellschaftliche Wandel des 20. Jahrhundert

Doch auch im 20. Jahrhundert kamen unsere Gemeinden nicht zur Ruhe: Zum einen bringt der rasante technische Fortschritt einschneidende Veränderungen für die örtliche Landwirtschaft mit sich. Zum anderen hinterlassen die beiden Weltkriege ihre Spuren und sorgen für einen Wandel der jüdischen Gemeinden. Der technische Fortschritt brachte unter anderem die Idee mit sich, Niedenstein an das Eisenbahnnetz anzubinden. Während das Projekt Niedensteins mit der Kleinbahn Kassel-Naumburg wohl an den damals betroffenen Grundstücksbesitzern und die Realisierung der Eisenbahn Guntershausen-Niedenstein wahrscheinlich am Ausbruch des 1. Weltkriegs in 1914 scheiterten, konnte die Landwegeverbindung Großenritte-Niedenstein, sehr zur Freude der vielen Niedensteiner die Arbeit in der Großstadt suchten, bis 1914 fertig gestellt werden. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs am 1. August 1914 haben auch die heutigen Niedensteiner Ortsteile Verluste zu beklagen: Allein aus Niedenstein, Wichdorf, Ermetheis und Metze sind insgesamt 170 Männer gefallen oder vermisst und der Steckrübenwinter 1916/17 sorgte für drastische Nahrungsrationierungen. Doch auch nach Ende des Krieges prägten politische Unruhen das Leben in Deutschland – so auch in Nordhessen.

Machtkämpfe zwischen KPD, SPD und nationalsozialistischen Anhängern gingen auch an der Niedensteiner Gemeinde nicht spurlos vorüber. Zudem verstärkten sich die antisemitischen Strömungen, die gerade in Niedenstein als Ort mit einer jüdischen Bevölkerung von etwa 21,7 % und damit der zweitgrößten jüdischen Gemeinde in ganz Hessen, enorme Konsequenzen mit sich zogen. Mit den Ausläufen der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Niedensteiner Synagoge vollkommen zerstört. Laut den uns zur Verfügung stehenden Daten wurden zwischen 1942 bis 1945 aus Niedenstein alleine 15 Menschen deportiert. Zudem kehrten 19 Ermetheiser, 43 Kirchberger, 45 Metzer, 37 Niedensteiner und 64 Wichdorfer nicht von ihrem Einsatz an der Front nach Hause zurück.

Der Hessenturm – das Niedensteiner Wahrzeichen

Die Idee kam dem Hessisch-Waldeckischen Gebirgsverein kurz nach seiner Gründung im Jahre 1927: Ein Naherholungsgebiet mit Aussichtsturm auf dem Gipfel des Niedensteiner Kopfes. Durch die große Anzahl an unentgeltlichen Helfern und der finanziellen Unterstützung seitens der ohnehin schon knapsenden Bevölkerung, konnte der Hessenturm innerhalb von einer Bauzeit von 2 Monaten schon am 21. Juni 1931 eingeweiht werden. Den großen Zuspruch an dem Projekt zeigen auch die Besucherzahlen: Alleine zwischen Oktober 1931 und September 1932 bestiegen insgesamt 7712 Besucher das neue Wahrzeichen der Stadt Niedenstein. Auch heute noch krönen das Ausflugsziel eine Aussichtsplattform und eine Wanderhütte.

Großgemeinde und Luftkurort Niedenstein

Stadt Niedenstein mit Ortsteilen

Im Zuge der Sanierung der Niedensteiner Altstadt ab dem Jahr 1967 wird auch das Projekt der Zusammenlegung der Stadt Niedenstein mit Ermetheis in 1970 und Kirchberg, Metze und Wichdorf in 1971 ins Leben gerufen. Zu dem Zeitpunkt ergibt dieser Zusammenschluss eine Gesamteinwohnerzahl von 4106 Menschen. Nach mehreren Luft- und Klimamessungen wird Niedenstein in 1982 das Prädikat Luftkurort verliehen.

 Niedenstein heute

Heute ist Niedenstein ein beliebter Wohn- und Erholungsort. Insbesondere junge Familien finden in Niedenstein ihre Heimat. Einheimische und Gäste werden zu naturnahen Ausflugsmöglichkeiten, sowohl zu Fuß auf den Wanderwegen wie auch per Rad oder sportlich aktiv, eingeladen.

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