"Gemeinsam für ein Attraktives Niedenstein"

Bürgermeister Frank Grunewald

Ansprache von Bürgermeister Frank Grunewald zum Volkstrauertag am 15.11.2020


Nachstehend finden Sie die Ansprache auch in ihrer Textform. Es gilt dabei das gesprochene Wort.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich begrüße Sie ganz herzlich zu dieser etwas anderen Art des Gedenkens und der damit verbundenen Ansprache zum Volkstrauertag.

Wir, die Bürgermeister im Chattengau haben uns entscheiden diesmal nicht zu öffentlichen Gedenkfeiern anlässlich des Volkstrauertages einzuladen. Die Corona-Pandemie zwingt uns, Kontakte so gut es geht zu reduzieren, um eine Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Unter normalen Bedingungen hätten auch in unseren Stadteilen wieder die Kranzniederlegungen und Gedenkstunden stattgefunden, die an das Schicksal von Millionen Kriegsopfern sowie an die Opfer von Gewaltverbrechen erinnern. Ein verantwortlicher Umgang mit der Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger gebietet es uns aber, gegenwärtig weitestge­hend auf öffentliche Veranstaltungen zu verzichten.

Dennoch halten ich es für wichtig, gerade an diesem sehr besonderen Volkstrauertag in­nezuhalten und darüber nachzudenken, wie wir unseren Frieden erhalten und sicherer machen können.

Daher habe ich mich entschieden erstmals auf unserer städtischen Internetseite einen Videobeitrag zu veröffentlichen.

Vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Für uns, die danach geborenen Generationen, haben wir in der Schule gelernt: Der Krieg hat feste Daten und damit einen Zeitrahmen, er dauerte von 1939 bis 1945. Können wir uns jetzt zurücklehnen und denken: in diesem geschichtlichen Kasten steckt der Krieg? Sicherlich nicht. Diese Betrachtungsweise gab es damals nicht und soll es auch heute und in Zukunft nicht geben.

Der Weltkrieg tobte global, sein letzter Tag lag in einer unbekannt verschleierten Zukunft. Es wurde spekuliert: Geht es noch ein Jahr? Oder viel länger? Millionen Menschen in der gesamten zivilisierten Welt hofften auf ein Kriegsende. Die Erlösung kam, und noch heute können einige unserer Mitmenschen hautnah davon berichten. Millionen deutscher Familien wussten nicht, ob ihre Väter, Söhne und Brüder zurückkehren würden, Bretterzäune hingen voll mit Suchmeldungen des Roten Kreuzes. In den Straßen sah man Kriegsversehrte und Flüchtlinge, Kinder hatten Unterricht in Behelfsbaracken. Beispiellos die Zahl der Opfer und der Zerstörungen, beispiellos aber auch der Beginn einer Friedenphase in Europa, die bis heute andauert.

Beide Ereignisse ermahnen uns, alles für den Erhalt des Friedens zu tun, im Großen wie im Kleinen, im privaten wie im öffentlichen Leben.

Den Frieden sicherer zu machen, heißt für uns, sich für Demokratie und Freiheit, für Toleranz und Solidarität stark zu machen und nicht wegzuschauen, wenn diese Werte bedroht sind. Dies sollten wir uns an einem Tag wie diesem vergegenwärtigen.

Der Volkstrauertag erinnert an die Weltkriege und ihre Folgen, an Opfer und Täter. Er erinnert auch an die Menschen, die nicht nur korrekt waren und nach dem Gesetz gehandelt haben. Er will uns ermahnen, von den Menschen zu lernen, die in der Not solidarisch waren und ihre Fähigkeiten eingesetzt haben; besonders auch von denen, die sich und ihr Leben riskiert haben.

75Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hoffen wir, alles im Griff zu haben. 75 Jahre schweigen bei uns die militärischen Waffen. Die derzeit etwa 150 gewaltsamen Krisen und Kriege finden relativ weit weg statt.

Schlagen wir daher den Deckel unseres Datumskastens nicht zu. Es gibt nichts zu verdrängen oder zu bagatellisieren, oder den Kasten zuzunageln. Trotz vieler populistischer Tendenzen existieren mehr Demokratien als je zuvor. Diese Entwicklung muss weiter vorangetrieben werden. Die Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen soll Grundlage des Zusammenlebens der Menschheit sein.

So stellt sich gerade am heutigen Volkstrauertag, 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und im Jahr der Covid-19-Pandemie, die Frage erneut: Was lernen wir Menschen aus der Geschichte? Was können wir aus ihr lernen?  So wie sich die Menschheit besonders in der von Deutschland initiierten grausamen Zeit zwischen 1933 und 1945 sich selbst der schlimmste Feind war, kann die Menschheit aber auch sich mit sich selber anfreunden. Dazu gibt uns gerade die Corona-Pandemie jetzt eine Riesenchance.

Dies beweisen die großen weltweiten Anstrengungen für unsere Gesundheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Corona-Krise. Auf allen Kontinenten werden Erkenntnisse ausgetauscht und man darf sich über Fortschritte freuen. Die Suche nach Impfstoffen ist weit vorangeschritten. Das Engagement von Menschen, die für das Allgemeinwohl bis zur Erschöpfung arbeiten, ist riesengroß.

So darf an diesem Volkstrauertag, 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, auch einmal Danke gesagt werden, weil Menschen sich in diesen 75 Jahren für den Frieden und das allgemeine Wohlergehen eingesetzt haben und einsetzen.

Als äußeres Zeichen des Gedenkens lege ich, gemeinsam mit den Ortsvorstehern ein Kranz an den Ehrenmalen bzw. Gedenktafeln in unseren Stadtteilen nieder. Ich hoffe, dass wir im nächs­ten Jahr unsere Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag wie gewohnt durchführen können, wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und bleiben Sie gesund.

Frank Grunewald
Bürgermeister

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